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Nachlese: FrOSCon 2026 – „Zero Copy statt Kabelsalat“

Im August war wieder FrOSCon – und neben meiner Rolle im Orga-Team des FrOSCon e.V. habe ich in diesem Jahr gemeinsam mit Alexander Erben einen Vortrag gehalten: „Zero Copy statt Kabelsalat – Der Media eXchange Layer als offener Unterbau für softwaredefiniertes Broadcasting“.

Der Talk lief am Sonntag, 16.08.2026, in HS 7. Die Aufzeichnung ist inzwischen bei media.ccc.de online.

Der Abstract:

Software-defined Networking, Kubernetes, Microservices: In der IT längst Alltag – im Broadcasting beginnt diese Transformation gerade erst. Der Vortrag zeigt mit DMF und dem Open-Source Media eXchange Layer (MXL), wie containerisierte Media Functions Video, Audio und Metadaten per Zero Copy austauschen können. Und warum öffentlich-rechtliche Sender und direkte Marktkonkurrenten gemeinsam an einem offenen Unterbau gegen Cloud-Abhängigkeit und Vendor-Lock-in bauen.

Worum es ging

Software-defined Networking gibt es seit 2011, Kubernetes seit 2014, Microservices-Architekturen sind Alltag. Die Broadcasting-Welt kommt genau an dieser Stelle erst an – mit der Dynamic Media Facility (DMF) und ihrem Media-Functions-as-a-Service-Konzept. Wir sind kurz auf die DMF-Referenzarchitektur v2 eingegangen, die auf Container-Technologien beruht.

Ein Basislayer der DMF ist der Media eXchange Layer (MXL), der 2026 mit dem v1.0-Release unter das Dach der Linux Foundation gewechselt ist. MXL ist technisch eine Schicht für den schnellen Austausch von Mediendaten zwischen containerisierten Medienfunktionen – etwa Ingest, Replay, Graphics, Mixer oder Playout. Jede dieser Funktionen läuft als eigener Prozess. Statt Video, Audio und zeitbezogene Metadaten zwischen diesen Prozessen zu kopieren, nutzt MXL Shared Memory: Die Prozesse greifen direkt auf dieselben Daten zu, ohne zusätzliche Kopiervorgänge. Das ist das Zero Copy aus dem Titel.

Künftig soll dieser Austausch mit RDMA und libfabric auch über die Grenzen eines einzelnen Hosts hinaus funktionieren. Konzeptionell bewegt sich MXL zwischen Ansätzen wie GStreamer, PipeWire und DPDK: Es übernimmt bestimmte Ideen aus diesen Bereichen, ergänzt sie aber um broadcast-genaues Timing und ein einheitliches Modell für sogenannte Grains – also einzelne, zeitlich definierte Medieneinheiten.

Organisatorisch ist MXL ein bemerkenswerter Fall von Industry-Open-Source: BBC, SWR/ARD, SVT, CBC und weitere öffentlich-rechtliche Sender bauen gemeinsam mit direkten Marktkonkurrenten wie Grass Valley, Lawo und Riedel einen offenen Unterbau. Der Treiber ist ein gemeinsames Souveränitäts-Interesse – die Rückholbarkeit aus Cloud-Abhängigkeiten, der Ausbruch aus Vendor-Lock-in mit fünfjährigen Vertragslaufzeiten und die Erfüllbarkeit des öffentlich-rechtlichen Auftrags auch in Krisenlagen.

Im Talk angesprochene Themen

  • Die DMF-Referenzarchitektur v2 und das Media-Functions-as-a-Service-Konzept
  • MXL als Basislayer: Zero Copy über Shared Memory
  • Grains – ein einheitliches Modell für zeitlich definierte Medieneinheiten
  • Ausblick: RDMA und libfabric über die Grenzen eines einzelnen Hosts hinaus
  • Abgrenzung zu GStreamer, PipeWire und DPDK
  • Governance-Struktur und der Weg unter das Dach der Linux Foundation
  • Berührungspunkte zu GStreamer, FFmpeg, OBS, PipeWire und CasparCG
  • Code-Walkthrough und Demo
  • Ein ehrlicher Reifegrad-Check – inklusive der Stellen, an denen es heute noch nicht trägt

Der Talk richtete sich bewusst an Entwickler:innen, Sysadmins und Interessierte mit und ohne Broadcast-Vorkenntnisse: Nach einer kurzen Einordnung der Broadcast-Welt in bekannte FOSS-Konzepte folgte der technische Kern, danach der Blick auf Governance und Ökosystem.

Die Aufzeichnung

Die Aufzeichnung ist 46 Minuten lang und steht unter der Lizenz CC BY 4.0 – sie darf also geteilt und weiterverwendet werden.

Links

Wer bis zum nächsten Mal tiefer einsteigen möchte: MXL ist inzwischen unter der Linux Foundation zu Hause und offen für Beiträge.

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